Führung im Wandel: Stabilität zeigen, wenn innen alles bebt
Eine Fallstudie über Selbstführung in Zeiten der Transformation
Christina Gieltowski | 12.02.2026 | Lesezeit 5 Min
„Ich darf jetzt nicht wackeln.“
Der Gedanke traf Markus wie ein Stromschlag, während er im Konferenzraum stand und in die Gesichter seiner Führungskräfte blickte. Der CFO hatte gerade nüchtern präsentiert, dass die nächsten Monate finanziell angespannt werden. Die Produktionsleiterin sprach vom Personalknappheit, der die Aufträge gefährde. Und alle schauten nun auf ihn.
Markus Bachmann, 48, Geschäftsführer und Mitinhaber eines traditionsreichen Maschinenbauunternehmens in Süddeutschland. Familiengeführt in dritter Generation. 220 Mitarbeitende. Und mittendrin: Transformation. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Generationswechsel. Alles auf einmal.
Er stand da, gerade, ruhig, professionell – zumindest nach außen.
Doch innerlich bebte es.
Zwischen Verantwortung und Überforderung
Seit Monaten balancierte Markus auf einem schmalen Grat. Sein ältester Sohn stellte Fragen zur Unternehmensnachfolge, sein Vater mischte sich immer noch in strategische Entscheidungen ein. Die Mitarbeitenden waren verunsichert, weil die neue digitale Infrastruktur mehr Fragen aufwarf als Antworten lieferte. Und in seinem Führungsteam blockierten sich zwei Schlüssel-kräfte durch alte Konflikte, die nie offen angesprochen wurden.
Nachts lag Markus oft wach. Grübelte. „Was, wenn ich etwas übersehe? Wenn ich die falschen Weichen stelle? Wenn ich irgendwann der bin, der das Familienunternehmen ruiniert?“
Dabei wusste er: Jetzt braucht es Orientierung. Stabilität. Präsenz. Genau das erwarteten alle von ihm.
Transformation beginnt von innen
In einem Moment der Klarheit – nach einem Gespräch mit einem befreundeten Unternehmer – entschloss sich Markus, sich externe Unterstützung zu holen. Nicht, weil er „versagt“ hatte. Sondern weil er spürte, dass es allein nicht mehr ging.
Er begann mit einem Coachingprozess zur Selbstführung. Im Zentrum: die Frage, wie er sich selbst führen kann, während er andere führt. Die Sitzungen waren anders, als er erwartet hatte. Kein Business-Optimierungstalk. Sondern Raum für das, was wirklich da war:
- Die Angst, falsche Entscheidungen zu treffen
- Der Druck, immer stark sein zu müssen
- Der Wunsch, das Unternehmen in gute Hände zu übergeben
- Die Wut auf lähmende Strukturen
- Die Erschöpfung durch das ständige Funktionieren
Durch hypnosystemische Impulse lernte Markus, wieder Zugang zu seinen eigenen Ressourcen zu finden. Zu erkennen, was ihn stabil macht, auch wenn es ringsum wankt.
3 Schlüssel, die für Markus alles verändert haben
- Innere Klarheit geht vor äußerer Lösung
Anstatt sofort auf jedes Problem zu reagieren, lernte Markus, einen Schritt zurückzu-treten. Innezuhalten. Sich zu fragen: Was ist mein Anteil? Was will ich wirklich bewirken? Was braucht es jetzt wirklich – von mir? - Selbstfürsorge ist keine Schwäche
Früher war das für ihn ein „weiches Thema“. Heute weiß er: Ohne eigene Energie keine tragfähige Führung. Er begann, regelmäßig Auszeiten einzuplanen, klare Grenzen zu setzen und auch im Alltag kleine Rituale der Selbststärkung zu etablieren. - Verantwortung teilen heißt nicht Kontrolle verlieren
Im Coachingprozess wurde deutlich: Markus hielt zu viel. Er wollte niemanden überfordern, keine Fehler zulassen. Doch gerade das bremste sein Team aus. Als er begann, Verantwortung zu delegieren – nicht nur operativ, sondern auch emotional – begann sich etwas zu verändern. Die Führungskräfte traten mehr in ihre Kraft. Konflikte wurden offen angesprochen. Entscheidungen wurden gemeinsam getragen.
„Ich muss nicht immer stark sein – ich muss echt sein.“
Diesen Satz schrieb Markus eines Abends in sein Notizbuch. Und er wurde zum Wendepunkt.
Heute begegnet er seinem Team mit mehr Präsenz – aber auch mit mehr Ehrlichkeit. Wenn er nicht alle Antworten hat, sagt er das. Wenn er Klarheit hat, teilt er sie. Wenn er Fragen hat, stellt er sie.
Das Unternehmen ist noch immer im Wandel. Die Herausforderungen sind nicht weniger geworden. Aber Markus hat eine neue Haltung gefunden:
👉 Er führt nicht mehr trotz seiner inneren Bewegtheit. Sondern mit ihr.
Was können Sie aus dieser Geschichte mitnehmen?
Wenn Sie selbst in einer Führungsrolle sind – vielleicht sogar in einem familiengeführten Unternehmen – kennen Sie diesen Spagat:
- Sicherheit geben – während innen Zweifel und Erschöpfung toben
- Komplexe Entscheidungen treffen – während Dir die Zukunft ungewiss erscheint
- Für andere da sein – während Du selbst kaum noch Luft bekommst
Vielleicht brauchen Sie keine neuen Tools, sondern einen neuen Blick auf Dich selbst. Selbstführung beginnt nicht mit Techniken. Sie beginnt mit der Erlaubnis, echt zu sein. Und der Entscheidung, sich Hilfe zu holen, bevor der innere Druck Dich handlungsunfähig macht.
Was wäre, wenn gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist?
…für einen Moment der Klarheit
…für eine echte Standortbestimmung
…für ein Gespräch auf Augenhöhe, in dem nicht der „Manager“, sondern der Mensch im Zentrum steht.
Wenn Sie spüren, dass das Thema auch Sie betrifft: Dann lassen Sie sprechen.

Wer hier schreibt?
Hallo! Ich bin Christina Gieltwoski, Coach, Beraterin für Führungskräfte.
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